Museum Barberini, 29. Januar 2018:

Gespräch mit Ortrud Westheider,
Direktorin des Museums Barberini in Potsdam

Eine halbe Million Besucher im ersten Jahr: Das private Museum Barberini ist ein Renner und bricht Rekorde. Der Kunst-Mäzen Hasso Plattner, der Potsdam einige Wissenschaftsinstitutionen verschafft hat, hat sich mit diesem Museum auch um die Kultur der Stadt verdient gemacht. Seit der Eröffnung im April 2016 strömen die Besucher in den Neubau, der genau so aussieht wie der alte, im Krieg zerstörte Bau und dem alten Markt in Potsdam sein historisches Gesicht zurückgibt. Doch nicht das Bauwerk stand im Mittelpunkt des Gesprächs mit Ortrud Westheider, sondern die Kunst. „Hinter der Maske“ heißt die Ausstellung, durch die die Direktorin die reichlich erschienenen Presseclub-Mitglieder führte. Sie zeigt Kunst der DDR, ein Thema, das spannungsgeladen ist – zumal in dieser Ausstellung, Werke der sogenannten Staatskünstler der DDR, wie Willi Sitte und Walter Womacka, gemeinsam mit den Werken derjenigen Künstler gezeigt werden, die sich mit ihrer Kritik an den Verhältnissen hervorgetraut haben. Ortrud Westheider betonte deshalb, dass es einem Kunst-Museum (und das ist das Barberini) immer in erster Linie um die Kunst gehen muss und erst dann um die gesellschaftlichen Verhältnisse, denen sie entstammt. So wurde auch an diesem Abend im Museums-Café erfreulich viel über Kunst gesprochen und wenig über Politik – was für alle GroKo-Verhandlungs-Geschädigten gewiss eine Erholung war. Ortrud Westheider, die erfolgreiche Museumsmacherin, erwies sich dabei als sympathische Gesprächspartnerin, die sichtlich Spaß daran hatte, auch kritische Fragen zu kontern. Ob denn der Kunst-Sammler Plattner persönlich Einfluss auf die Ausstellungsgestaltung nehme, wurde sie beispielsweise gefragt. Ortrud Westheider antwortete verschmitzt mit einer Anekdote: Er möge Max Beckmann, über den Ortrud Westheider promoviert hat, überhaupt nicht, hatte ihr Plattner gleich zu Beginn ihres Kennenlernens zu verstehen gegeben. Nun darf man raten, wem die nächste große Ausstellung, die das Museums zeigt, gewidmet sein wird: Max Beckmann. (MZ)